Normalerweise war Kronn durstig wie ein Mantuabulle, wenn er abends in der Goldenen Laute einkehrte. Der Staub, den der warme Meereswind durch die Straßen und Gassen Saramees blies, klebte einem am Ende eines langen Tages im Freien förmlich am Gaumen und verlangte danach, mit Wetah oder Wein fortgespült zu werden.
Doch Kronns schaumgekrönter Krug stand unberührt vor dem massigen Söldner, der in einer Nische an der Nordwand der gut gefüllten Taverne saß. Überhaupt wurde dafür, dass so viele Männer anwesend waren, erstaunlich wenig gezecht, wie generell wenig gesprochen, geflüstert, gescherzt, gelacht, geprahlt oder gestritten wurde.
Kronn kannte diese lautlose Anspannung gut. Als man hier in der Laute früher noch die Grubenkämpfe hatte bestaunen können, war es ähnlich gewesen. Die Männer schienen sich ihre Emotionen für das aufzusparen, was gleich aus der Tür des Hinterzimmers zwischen Tresen und Treppe kommen würde. Ja, es war wirklich fast wie früher, diese Ruhe vor dem Sturm. Manchmal vermisste Kronn das blutige Spektakel in den Gruben, das Malv Porond abgeschafft hatte, kaum dass die Oktopustinte unter dem Kaufvertrag für die Goldene Laute getrocknet war.
Der Söldner warf einen Blick in Richtung Tresen, wo Malv sich mit einem Kaufmann unterhielt und sich zwischendurch immer wieder nervös die lederne Augenklappe rieb.
Eines musste man dem alten Veteranen ja zu Gute halten: Er hatte immerhin für einen Ausgleich, eine neue Attraktion gesorgt. (weiterlesen…)