Archiv für die Kategorie „Ralf's Blog“

Gratis Comic Tag 2010 – mehr als ein Trostpreis

Samstag, 8. Mai 2010

So ein Samstag ist familientechnisch stets eine ganz enge Kiste. Mir war schon klar, dass ich nicht gleich morgens vor einem Comic-Laden würde aufschlagen können und so zogen wir denn auch erst nach dem Mittag los. Zu zweit.
Dank der Händlerliste auf der Homepage des GCT hatte ich eine kleine Rundreise durch Berlins Innenstadt geplant.
Erstes Ziel war der Grobe Unfug in der Weinmeister Straße.

Dieser urige Laden war voller Leute und glücklicher Verkäufer. Hier erfuhren wir dann, dass man nur ein Comic pro Person mitnehmen konnte. Hätte ich mal doch mehr Druck in der Familie gemacht!

So aber mussten wir wählen. Hellboy und Götterdämmerung kamen mit und wurden gleich durchgeschmökert auf dem Weg zu Modern Graphics in der Oranienstraße.

Auch hier war die Hölle los, das ist aber ganz normal.

Zwei Comics reicher, nämlich Star Wars und DC Blackest Night machten wir hoffnungsfroh auf dem Weg zum zweiten Groben Unfug in der Zossener Straße.

Doch hier waren die Comics schon seit Stunden weg. Der Erfolg sei überraschend überwältigend, erklärte ein zerknirschter Verkäufer, er gehe aber davon aus, dass es einen GTC 2011 geben wird.
Etwas weniger hoffnungsfroh machten wir uns auf den Weg zu den beiden letzten Läden auf meiner Liste – zwei Touri-Fallen, ich sah schon schwarz.
Jedoch ließ Dussmann sich nicht lumpen, obwohl die Auswahl schon arg begrenzt war, schlugen wir wieder zu: Horror-Schocker und Troll von Troy.

Das tröstete uns dann schon, selbst als der Virgin Store im Hauptbahnhof unsere zweite Fehlanzeige wurde.
Fazit: 6 coole Comics aus fünf Läden, ein Traum.

Als besonders spannend aber stellte sich für mich heraus, dass die kleinen Comic-Läden doch recht gut zu erreichen sind. Ein himmlisches Einkaufsgefühl ist es auf jeden Fall.

Der wahre Schatz – AndyCon 2010

Sonntag, 2. Mai 2010

Am vergangenen Wochenende, also vom 24. bis 25. April 2010, fand in Berlin der AndyCon statt. Feierlicher Anlass war das 25jährige Jubiläum des SF-Clubs Andymon.
Ein Con in Berlin! Da musste ich hin. Bereits im Januar sprach mich Hardy Kettlitz an, ob der Fantasyguide nicht etwas auf dem Con machen wolle. Das Brainstorming in der Redaktion ergab dann auch eine günstige Gelegenheit. Da wir irgendwann die Kurzgeschichten des Monats als Anthologie herausbringen werden, bot es sich an daraus vorzulesen.
Somit wurde ich zum Referent des AndyCons und Samstag gegen 13:00 Uhr konnte ich mein Badget abholen, was kein Verzehrbon darstellte, wie ich vorher vermutete, sondern ein Namensschild.

Im Zeiss-Großplanetarium Berlin am Thälmannpark tummelten sich bereits etliche Andymonier und kurz konnte ich mit Ronald Hoppe von Shayol plaudern. Dann traf auch schon Markus Mäurer ein und gemeinsam begannen wir den Con-Tag mit der Eröffnungsveranstaltung. Offenbar konnte man von Glück reden, dass der Con stattfand, denn das Planetarium steht unter einer terminlich vagen Sanierungsdrohung.

Der erste Veranstaltungspunkt auf meinem Plan hieß »Die ferne und die fernste Zukunftsforschung in SF und Zukunftsforschung« von Karlheinz Steinmüller. Als Zukunftsforscher führte er uns sehr unterhaltsam in die fernste Zukunft – man glaubt gar nicht, wie überraschend relevant die Zukunftsprognose sein kann. Eine Beamerfernbedienung kann im Übrigen einen Mann wie Karlheinz Steinmüller nicht aus dem Konzept bringen, selbst wenn sie sich als noch so störrisch erweist.

Während Markus im Planetarium-Saal blieb, eilte ich zur Veranstaltung über den Roman Andymon, immerhin war das mein Lieblings-SF-Buch in meiner Jugend. Der Editionswissenschaftler Christian Schobeß stellte dort nicht nur seine Fachrichtung, sondern auch die Unterschiede in den beiden Andymon-Fassungen vor. Karlheinz Steinmüller erweiterte das Wissen des Forschers um einige Anekdoten zur Werksgeschichte. Einiges kannte ich schon von meinem Interviewbesuch bei den Steinmüllers. Amüsant und informativ war es jedoch auf alle Fälle. Ich bin recht froh, dass sich in der Verlagsszene die Erkenntnis durchsetzt, dass auch andere Textfassungen für den Leser von Interesse sind.

Auch meine nächste Veranstaltung fand im Kinosaal statt: Eine Lesung von Boris Koch. Bisher kannte ich ihn nur dem Namen nach, doch er präsentierte sich mit seiner Fantasygeschichte als ernsthafter und sehr sympathischer Zeitgenosse. Besonders beeindruckte mich sein Statement zu einem möglichen dritten Band seines “Drachenflüsterers”. Den gibt es nämlich erst, wenn er nicht nur eine runde Geschichte dazu im Kopf habe, es sei zudem für ihn wichtig, dass er sie auch schreiben muss, als eine Weiterentwicklung seiner selbst. Ähnlich äußerte sich im Übrigen später auch Dmitry Glukhovsky.

Dessen Lesung stellte den offiziellen Höhepunkt des Cons dar und fand wieder im Planetariumsaal statt. Während Dmitry seine kurze Leseprobe in Stakkato-Russisch aus seinem MacBook vorlas, erschien mir der deutsche Vorleser etwas überambitioniert. Die anschließende moderierte Fragerei machte jede Menge Spaß, vor allem deshalb, weil Dmitry überraschend gut deutsch spricht. Im Mittelpunkt stand natürlich sein Buch “Metro 2033″, für das ich mir anschließend auch eine (unleserliche) Widmung holte. Naja, Спасибо ist zu entziffern. Hätte nicht gedacht, dass mein Schulrussisch irgendwann mal einen Nutzen bringt.
Jedenfalls begeisterte mich auch diese Lesung, wie Shockwaverider vorher schon erwähnte, ist Dmitry ein durch und durch netter Zeitgenosse, der zwar wie der typische Panzerfahrer Kolja aussieht, sich aber als quirliger Jungspund mit breitgefächerten Interessen herausstellte.
Ungemein beeindruckend.

Der Abschluss des ersten Abends stellte eine Veranstaltung des Hörkinos dar, das regelmäßig im Zeiss-Großplanetarium Berlin veranstaltet wird. Nach dem ersten Hörspiel, eine recht exzentrische Bearbeitung von Metropolis, reiste ich nach Hause. Wie es sich für einen alten Sack gehört, zeitig ins Bett und gegen den Strom der Jugendlichen, die zu einer wilden Samstag-Nacht in die Stadt jammten.

Die erste Veranstaltung am Sonntag klemmte ich mir, man will ja nicht vor dem Aufstehen umherzuckeln. Hardy stöhnte etwas unter dem Wetter, da es die Millionen Berliner davon abhielt, den Con zu stürmen. So ganz konnte ich die Klage aber nicht verstehen, da ich den Con recht gut besucht fand. Aber klar, bei trüben Wetter, hätte es bestimmt mehr Gründe zum Erscheinen als zum Wegbleiben gegeben.

Mein Con-Tag begann mit Erik Simons Vortrag zum Werk der Strugatzkis. Der Mann hat ein ungeheures Wissen zum Thema, schreibt aber deutlich besser. Ein paar Bilder und Folien hätten dem Ganzen gut getan. Zum Glück konnte er in der Nachfolgeveranstaltung deutlich mehr punkten, als es mit Dmitry zusammen um aktuelle russische Phantastik ging – ein Themengebiet, dass für mich ein weißes Blatt Papier ist, da ich außer Lukianenko keine Autoren gelesen habe. Das sah danach anders aus. Neben Einblicke in die russische SF-Szene und deren politische Hintergründe erfuhren wir auch wieder jede Menge über Dmitry Glukhovsky und Erik Simon. Dabei schwankten die Betrachtungen von imperialistischen Tendenzen in der russischen SF bis hin zu Dmitrys südamerikanischen Phantastik-Inspirationen. Sehr sehr spannend!

In der nächsten Lesung saß zu meinem größten Vergnügen erneut Frank Böhmert vor mir in der Reihe – der arme Markus lief schon den zweiten Tag beständig an ihm herum, aber später am Abend fand dann das glückliche Treffen doch noch statt.
Gelesen hat aber nicht Frank, sondern Tobias O Meißner. Obwohl ich bisher noch nichts von ihm gelesen habe, verfolgt mich ständig sein Name – seine Autoren-Seite ist bei uns im Fantasyguide Bestandteil der Musterrezension.
Man sah ihm die Enttäuschung an, dass sich kam zehn Leute fanden, ihm zuzuhöhren. Extra für die SF-Fans hatte er eine raffinierte Herleitung zu seinem Fantasybuch erdacht. Er las nämlich aus seinen Kolumnen für eine PC-Spielezeitung vor. Sehr pointiert und vor allem reichlich tiefgründig. Was er vorlas, gehört für mich zu den besten Szene-Kommentaren. Die Sammlung Ladezeit ist vorgemerkt.
Hernach las er dann aus den Dämonen vor, zwei kurze Kapitel über die Invasion. Eine aus der Sicht eines sehr kleinen Dämonen und eines aus der Sicht eines fünfjährigen Mädchens. Witz und Grauen vermischten sich zu einer abgefahrenen und wiederum reizvollen Maische.
Auch wenn er von der Lesung enttäuscht war, mir hat sie imponiert und mich überzeugt, ihn zu lesen.

Und danach kam der eigentliche Höhepunkt. Meine Familie traf ein. Am Buchstand von Otherland trafen wir meinen Mitleser Jakob Schmidt und auch Boris Koch fungierte als Verkäufer und ohne Buch gingen wir nicht nach Hause. Der Drachenflüster 1 läuft nun hier zu Hause unter »cool, spannend geschrieben« durch die Hände.

Dann das große Zittern. Wir stellten die demnächst erscheinende Anthologie “Der wahre Schatz” mit den Kurzgeschichten des Monats vor. Ich las zuerst. Meine kleine SF-Story »Ersatzteil« eröffnete den Reigen. Marcus Richter, den ich aus der Leselupe kannte, aber noch nie traf trug mit Begeisterung einen Part aus seiner epischen Story »Ein verflucht gutes Buch« vor und Jakob katalogisierte seine Splattergeschichte »Abfallprodukte« in Anbetracht des kindlichen Publikums schnell um. Dank familiärer Unterstützung knackten wir die zweistelligen Zuhörerzahl und zum Dank erhielten wir die Clubausgabe von Andymon. Juhu!

Während Markus noch mit diversen Autoren Futtern und Quatschen ging, folgte der brave Familienvater seinen Pflichten und fuhr nach Haus.

Für mich war es ein sehr vergnügliches und spannendes Wochenende, mit vielen neuen Literaturempfehlungen und interessanten Gesprächen. Mir gefiel sowohl die intime Atmosphäre, als auch die mehr als passende Umgebung. Toll gemacht Andymon!

Wohin mit dem Hass?

Mittwoch, 18. November 2009

Der Berliner Postbahnhof ist seit einigen Jahren eine kleine feine Konzertlocation, die ich noch aus meiner Schülerzeit kenne, damals ging dort noch richtige Post ab, heute probieren das diverse Künstler. Gestern besetzte Jochen Distelmeyer die Bühne.
Sein Solo-Debüt “Heavy” ist noch keine zwei Monate alt und obwohl die Single “Lass Uns Liebe Sein” ein schon ziemlich perfekter Pop-Song ist, verweigert der Berliner Äther konsequent die Zusammenarbeit.
Doch was das Radio nicht spielt hat trotzdem seine Fans – Distelmeyer rockte uns also gestern die Nacht um die Ohren, mit einem bunt gemixten Queerbeet durch die Blumfeldgeschichte und den Songs aus “Heavy”. Der Sound brach dabei deutlich aus der glatten Studioproduktion heraus, was ganz besonders “Hiob” zu einem fulminanten Hammer werden ließ. Man glaubt kaum, dass dieselbe Band auch gnadenlos sensibel Songs wie “Regen”, das auf dem Album a cappella gesungen wird oder “Schmetterlings Gang” zelebrieren kann.
“Lass Uns Liebe Sein” widmete Distelmeyer übrigens Megan Fox, was den Song für mich für immer und ewig verdorben hat. Nicht weil ich Megan Fox hässlich finde, sondern weil mir das viel zu enthüllend ist.
Ansonsten redete Distelmeyer nur ganz wenig, er sagt ja auch genug in seinen reich bebilderten Texten, mal davon abgesehen, dass er einfach wunderbar singen kann. Lediglich eine Ansage konnte er dann doch nicht ganz ohne bösen Hieb durchrauschen lassen:

Wir haben einen neuen Bundesaußenminister: Guido Westerwelle. Der nächste Song heißt: Eintragung ins Nichts.

So schön kann eine politische Meinung sein.
Obwohl die Menge noch begeistert mehr verlangte, endete das Konzert nach drei Zugaben doch noch irgendwann. Es war geil, verrucht rockig und wunderschön.
Und wohin nun mit dem Hass? In die Ohren natürlich, in die Ohren!

Wo kommen all die kleinen Euros her?

Dienstag, 8. September 2009

Es ist wohl unvermeidlich, dass man sich bei der Lektüre von George Orwells “Weg nach Wigan Pier” Gedanken macht. Die Art und Weise, wie Orwell sich mit Klassen und Gesellschaftsformen auseinandersetzt führt dazu, dass man seine eigenen Ansichten kritisch betrachtet und mehr auf das Wofür und Danach ausrichtet. Viele Punkte seiner Analyse des Jahres 1936 und der zehn Jahre davor, lesen sich wie eine Blaupause unserer Gesellschaft.

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Ich kann deutsch

Donnerstag, 23. Juli 2009

Selbstwahrnehmung ist auch Täuschung – zweifellos. Darum lobhudel ich, wenn ich mich als geistig rege und belesen preise. Jedoch treffe ich beim neugierigen Blättern im Netz immer wieder auf Geister deren Geist ich nicht zu folgen vermag. Das sind wahrscheinlich rein biologische Grenzen, nichtsdestotrotz wurmt es mich ungemein, wenn ich auf Texte geschätzter Mitmenschen stoße, die großartig klingen, deren Sinn ich jedoch nicht ohne gewaltige Gedankenarbeit verstehe. Hier mal ein Beispiel aus der Molochronik

“Aber wie alle Denkschulen birgt auch der Strukturalismus Gefahren. Die größte ist in meinen Augen der Essenzialismus, der, wenn er auf die Spitze getrieben wird, in meinen Augen kaum mehr ergibt als eine Art akademischer Esoterik (im Sinne platonischer Hermeneutik).”

Ein Mus ist des anderen Gefahr und ergibt Ik im Sinne eines anderen!

Da stopft der gute Molo so ganz nebenbei Gedankenuniversen in zwei Sätze. Und obwohl ich schon mindestens zweimal den Begriff Hermeneutik nachgeschlagen habe, taucht erneut nur ein blasses Brummen im Hirn auf, der den Begriff wolkig mit Erkennen gleichsetzt, was natürlich reineweg gar nicht hilft, den Satz zu verstehen. Molo ist ja wenigstens so demütig, dieses Theorem gleich doppelt als subjektiv zu kennzeichnen, sodass man sich erleichtert denken kann “Oh man, was hat der denn getrunken!”

Aber das fiese an solchen Sätzen von Leuten, die man mag ist, man will sie unbedingt verstehen. Also los, Wikipediabesuch.

Strukturalismus: Die Wikipediaerklärung wandert auch in lichten Höhen, soweit ich den Worten Sinn geben konnte, geht es dabei um die Idee, eine wissenschaftliche Theorie nicht aus Einzelsätzen aufzubauen, sondern aus Beziehungen zu was anderem.
Essenzialismus (Essentialismus): Eine Lehre, nach der alles ein unveränderliches Wesen hat, das als Definition dienen kann oder notwendigerweise dient.

Also ist die Gefahr jener Wissenschaftstheorie die Reduzierung auf eine Definition.

Aber weiter zum zweiten Teil der molosophischen Schikane:
akademische Esoterik: Vermutlich ein Schimpfwort von Molo. Ich würde es als Märchen übersetzen oder Legende.
platonische Hermeneutik: Platon hatte eine fünfstufige Technik sich dem wahren Wesen einer Sache zu nähern. Etwas rein Geistiges.

Basteln wir das mal zusammen, den Strukturalismus können wir so lassen, um den ging es ja:

Der Strukturalismus birgt die Gefahr, auf abstrakte Bedeutungslegenden abzustellen.
Oder vereinfacht:  Leeres Geschwätz erklärt die Welt.

Naja, irgendwie habe ich jetzt doch nicht das Gefühl, der Essenz des Satzes wirklich nah gekommen zu sein und es klingt jetzt auch etwas nach Schelte.
Soll es aber nicht. Im Prinzip ist es ja großartig, wenn man sich auf der Ebene komplexer Konzepte unterhalten kann.
Und vielleicht kann der Laie so etwas auch lernen. Kommunikation funktioniert ja ebenfalls zwischen Kind und Eltern, Frau und Mann, Katze und Futtersklave.
Ich kann deutsch und anderen kann es auch nicht schaden.

Unsere kleine Farm

Samstag, 4. Juli 2009

Warum eigentlich hat unser Land Truppen in Afghanistan?
Die offiziellen Begründungen winden sich um Begriffe wie Freiheit, Schutz und Ordnung. Als geschulter Staatsbürger weiß man natürlich, dass da wohl jemand recht ordentlich dran verdient. Trotzdem gibt es keinen gesellschaftlichen Aufschrei wenn schon wieder ein junger Mann in Afghanistan stirbt. Die eigentlichen Mörder aber sitzen im Bundestag.

Eine Umfrage des Sterns gibt nun einen weiteren Einblick in die Gemütslage von uns Wählern. Obwohl fast alle Befragten das Wahlversprechen Steuersenkung als Lüge betrachten, gewinnen die Lügner sogar noch Wähler hinzu.
Eigentlich eine unglaubliche Situation.

Georges Orwell schrieb 1944 seinen Roman “Farm der Tiere”, der als Allegorie auf die Sowjetunion gedacht war. Ich frage mich langsam, auf welcher Seite der Handlung unsere Farm gerade herumplätschert.
Zumindest die Schweine lassen sich schon deutlich identifizieren.

Von der Regierung verraten

Donnerstag, 18. Juni 2009

Was sich großspurig “Gesetzesvorhaben zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Seiten” nennt, ist nichts weiter als das Schaffen von Zensurmöglichkeiten für das Internet. Zwar ist davon auszugehen, dass das Bundesverfassungsgericht diesen Angriff auf die Freiheit abwehren wird, aber bedenklich ist dieser Verrat der Regierung schon.
Diese Polemik mag emotional und übertrieben wirken, aber wir befinden uns ja im Superwahljahr 2009 und die Parteien sind auf der Suche nach Wählern.
Nachdem Steuermilliarden in marode Unternehmen gepumpt wurden, die zum Großteil selbstverschuldete Finanzkrise mit Schulden in die Zukunft gerettet und ein Mann zum Kanzlerkandidaten gewählt wird, der einen Deutschen in Guantanamo versauern ließ und nun gegen die Aufnahme von entlassenen Opfern ist, jetzt also auch noch Zensur aus Dummheit.

Aber vielleicht ist es ja keine Dummheit, sondern Existenzkampf. Vielleicht bekommen ja ein paar Leute es langsam mit der Angst zu tun? Immerhin kommt auch bei den verbunkersten Politikern langsam an, dass Nichtwähler nicht etwa keine Lust zum Wählen haben oder tumbes Prekariat sind, sondern mit Absicht eine Wahl verweigern, wo es gar keine Wahl mehr gibt.
Längst ist doch das Parteikürzel egal: Was zu tun ist, bestimmt noch immer die Wirtschaft. Sachzwänge nennt man das dann.
In den letzten Jahren nimmt diese Profillosigkeit der Parteien immer mehr zu. Es ist wie in der alten Adolar-Folge. Der Räuber wird zum Polizisten und umgekehrt, je nachdem wer gerade dran ist.
Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Wahlverweigerung ist nur der Anfang. Und auch wenn das Volk über das Grundgesetz nie abstimmen durfte, so wird es doch für die Grundrechte und die Republik eintreten. Gewaltenteilung gehört dazu. So wie das BKA nicht per Freibrief darüber entscheiden darf, Bücher zu verbieten, so darf dies auch nicht für Internetseiten gelten. Wer weiß schon, ob das BKA nicht morgen Fantasy für verbrecherisch hält? Oder SF?
Ja, Herr Schäuble, ich mag Ihre Paranoia nicht, ich mag auch Ihre Datensammelleidenschaft nicht. Ich komme aus einem deutschen Staat, der seinen Bürgern nicht vertraute und ich verrate Ihnen nichts Neues: Dieser Staat existiert nicht mehr.

Die Last der Lust

Montag, 18. Mai 2009

Ich gehe schon wieder fremd. Trotz aller Leidenschaft und entgegen der Macht der Gewohnheit verließ ich meine Alte für eine Jüngere.
Naja, vielleicht nicht endgültig.
Doch warum spiele ich nun nach 4 Jahren World of Warcraft wieder Warhammer online?
Die Antwort fällt nicht leicht und enthält einige Aspekte die grundsätzlicherer Art sind.
Blizzard veröffentlichte im November sein zweites Addon zu WoW. Ein neuer Kontinent, neue Level, neue Instanzen und neue Features. Hinzu kam ein Erfolgssystem, das dem Wälzer des Wissens aus dem ein Monat vorher releasten WAR ähnelte. Insgesamt also eine Menge neuer Stoff und eigentlich die Garantie für langen Spielspaß. Möchte man meinen.
Doch nach 4 Jahren Charakterentwicklung hat mein Trollpriester fast alles im Spiel erlebt. Übrig bleiben kümmerliche Reste, die weder eine neue Geschichte versprechen, noch tatsächlich als Abendunterhaltung ausreichen. Man könnte wie so viele das Spiel zum Sport machen. Entweder im Kampf gegen andere Spieler – PVP oder im konzentrierten Raid in den schwierigsten Instanzen. Hier finden sich inzwischen ausufernde Theorien zur Spieloptimierung. Mathematisch exakt wird jeder Zauberspruch auf den perfekten Einsatz hin überprüft, die programmierte Spielmechanik bis zur letzten Nachkomma-Stelle ausgereizt. Als Belohnung winkt Ausrüstung, die ganz allein in diesem Umfeld Sinn macht. Die Story der Instanz ist nach einem Besuch erzählt, jeder weitere dient nur dem noch besseren Run und neuer Ausrüstung. Es ist wie bei der Formel 1. Niemand kann mit den Boliden woanders fahren als auf Formel 1 Rennstrecken. Für einen Sieg muss man dutzende Male dieselbe Strecke bezwingen und von der Landschaft sieht man auch nichts.
Damit aber wird aus einem komplexen Rollenspiel ein monogamer Wettkampf mit einer einzigen Spielwiese. Solange es genug Spieler gibt, die exakt das mögen und gern spielen, wird Blizzard hier nichts ändern. Aber es vertreibt die Spieler, die in einer fantastischen Welt neue Abenteuer erleben wollen.
Unter Sportlern wird der Abenteurer aber schnell zum Problem. Wenn der Erfolg daran scheitert, dass ein Spieler die immer komplexeren Abläufe in Bosskämpfen nicht beherrscht, summieren sich Misserfolge und Frust. Der friedliche Feierabendzocker sieht sich plötzlich einer massiven Kritik an seiner Spielweise ausgesetzt, ihm werden Training und Lektüre der entsprechenden Ratgeber empfohlen. Spätestens hier wird aus Spaß Ernst.

Yitu hat den sozialen Aspekt des Raides hier schon mal beleuchtet: http://ao-lai.blog.de/2009/04/15/social-gamer-neuer-begriff-5949676/


Wer die Konsequenzen zieht und diesen Teil des Spiels meidet, ist mit dem Mangel an anderem Highend-Content konfrontiert. Kein MMORPG ist davor gefeit. Wer tagtäglich ein bis zwei Stunden mit demselben Spiel verbringt, hat zwangsweise irgendwann alles gesehen.
Und dann geht man fremd, so wie ich.

Geh’n se mit der Konjunktur!

Mittwoch, 28. Januar 2009

Die Bundesregierung will mit einem Konjunkturpaket der beginnenden Rezession entgegenwirken. Getreu der volkswirtschaftlichen Lehre, dass in Zeiten des Abschwungs Investitionen des Staates den nächsten Aufschwung anschubsen. Der ausgeglichene Haushalt käme dann halt später.
Nun, auch das ist wohl eine Regel. Immer wenn man gerade kurz davor steht, Schulden abzubauen, kommt die nächste Krise und ach, leider helfen dann nur wieder neue Ausgaben.
Wer sich die Zahlen der Schulden und Zinseszinsen anschaut, verliert schnell jeglichen Bezug zur Realität. Allein nach der Wiedervereinigung hat der deutsche Staat über Eintausend Milliarden Schulden aufgenommen. Das ist genauso unvorstellbar, wie die Absichten der jeweiligen Regierungen, je etwas davon abzubauen.
Nun kann man es den Politikern nicht wirklich vorwerfen. Sie sind Instrumente im Orchester der herrschenden Klasse und die besteht nun einmal aus jenen Menschen, denen Firmen, Banken und Konzerne gehören. Also genau jene, die in erster Linie vom Konjunkturpaket profitieren, genau – der Profit profitiert.
Sicher, es werden auch einige Schulen saniert, soviel ist da schon drin. Warum es so viele marode Bildungseinrichtungen gibt, interessiert da schon deutlich weniger. Wenn eine Bank im Hilfe ruft, auch wenn sie sich selbst in den Ruin trieb, springt unser Staat jubelnd mit Geld ein, wenn eine oder auch alle Schulen rufen, wird müde abgewunken – kein Geld, leere Kassen.

Überhaupt sind Fragen nach Ursachen sehr unbeliebt.
Die arme Automobilindustrie nagt am Hungertuch, weil wir Deutschen keine neuen Autos kaufen. Also schnell etwas erfunden, dass den Konsum anregt.
Dass die Autos in den letzten Jahrzehnten zunehmend sinnlos mit technischen Spielereien in Luxusspielzeuge verwandelt wurden, die mit Preisen jenseits des Erträglichen »locken«, kommt bei der Ursachenforschung überhaupt nicht vor. Die fünfsitzige Familienkutsche kostet als Neuwagen mühelos zwei Jahreseinkommen. Ach, Ihr Einkommen liegt drüber? Willkommen in der Minderheit.
Ähnliches gibt es auch im Gesundeitswesen zu vermelden. Jede erfolgreiche Heilung ist begrüßenswert, Forschung und Entwicklung dazu zwingend notwendig – jedoch hat der Staat längst die Kontrolle über die Kosten verloren. Die Summen, die im deutschen Gesundheitswesen hin und her geschoben werden, sind ebenso gigantisch, wie unsere Schulden.
Und am Ende der Nahrungskette sitzen wie immer Konzerne, nicht der Patient und nicht der Pfleger.

Die Finanzkrise spülte wieder einmal jede Menge dubioser Unternehmensstrategien um schnell viel Geld zu verdienen in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Erstaunlicherweise werden diese »Fehlentwicklungen« immer erst hinterher aufgedeckt, auch wenn unzählige Banken jahrelang derartiges praktizieren. Verantwortliche Manager oder gar Besitzer findet man jedoch nicht, denn es gibt ja gar keinen der verantwortlich ist. Alles ist irgendwie von Gesetzen abgedeckt, damit nur gar keiner »Schuld« sein kann. Vielleicht war einer zu dumm und wird dann wegen Steuerhinterziehung belangt – dann ist es gut viel Wissen anbieten zu können und schwubs ist man raus aus dem drohenden Knastaufenthalt.
Doch Vorsicht, liebe Leser, versuchen sie es nicht selbst. Wenn Sie Ihre Bank betrügen wollen, merkt die das schneller als sie denken können und dem Richter interessiert dann auch nicht, was Sie über die Sparbüchse Ihres Nachbarn wissen. Fangen Sie erst ab etwa 70 Millionen mit derartigen Ideen an, oder sparen Sie dann lieber noch etwas, sicherheitshalber.

Mein Geld gehört nicht mir. Und das ist auch egal. Wahrscheinlich fließen meine Steuern direkt einmal um die Welt im globalen Datenstrom, mal mit Plus und mal mit Minus davor, ein kleines Bit für die Menschheit und eine großes Bitte für irgendwen.
Doch hilft uns hier kein Weh und Ach, es ist ja unser Staat. Wir sind die braven Milchkühe und werden auch diese Krise widerkäuend überstehen.

Warten bis der Schmerz nachlässt

Sonntag, 18. Januar 2009

Normalerweise bietet das Wochenende wenig Zeit zum Lesen. Wenn man jedoch in der Rettungsstelle auf die Behandlung wartet, hat man genügend Zeit. Zwar konnte ich es nur in einer bestimmten Liegeweise aushalten, aber der zweite Teil von Septimus Heap half mir zumindest dabei, die ewige Zeit totzuschlagen.
Fantasy für Kinder hat den Vorteil, dass nichts von dem passiert, was in der Notaufnahme sonst so zu sehen ist. Überhaupt bin ich nicht der Fan von Gewaltdarstellungen in Büchern, wie auch in Filmen. Nur sehr selten gereicht sie mehr als zu billigen Effekten. Obwohl viele Autoren darauf bestehen, damit der realistischen Darstellung zu dienen, kann ich bei Medien, die letztlich die Phantasie anregen, Realismus auf sehr viele Arten erzeugen und selbst dann geschieht der größere Teil davon in der Vorstellung. So ist etwa der wahre Horror eine reine Imagination. Das Weglassen, Andeuten und Erahnen wirkt meist wesentlich beängstigender, als abgerissene Arme oder ähnliche Utensilien.
Da können uns die alten Meister, allen voran Poe noch einiges beibringen.
Ich jedenfalls werde meinen gruseligen Rücken nicht weiter verprellen und lege mich gemütlich in den Lesesessel, trinke blutroten Tee und werde mich ans Rezensieren machen.
Jedem sein eigenes Stückchen wohliger Schauer.