Archiv für Juni 2009

Wahlrechtsänderung – cui bono?

Montag, 29. Juni 2009

Die Schurken von der SPD machen einmal mehr Schlagzeilen – sie wollen für eine Änderung des Wahlrechts stimmen. Warum? Weil, so hört man allenthalben, prognostiziert wurde, dass die Überhangmandate für eine knappe Mehrheit zugunsten des bürgerlichen Lagers sorgen könnten. Was für Opportunisten! Erwägen sogar den Bruch des Koalitionsvertrags! Denn die CDU wird nicht für eine Änderung stimmen und im Koalitionsvertrag steht klar und deutlich, dass die Koalitionäre nicht gegeneinander stimmen dürfen.
Nun frage ich mich allerdings, warum allein der SPD vorgeworfen wird, dass sie um des politischen Machterhalts willen sich entscheiden. Ja, ist es denn bei der CDU anders? Warum ist es schlimmer, skandalisierenswerter, wenn die SPD für ein Gesetz stimmt, welches die kommende Wahl in Einklang mit der Verfassung bringen soll, wenn sie davon profitiert, als wenn die CDU gegen ein Gesetz stimmt, welches die kommende Wahl in Einklang mit der Verfassung bringen soll, wenn sie davon profitiert?
Aber keine Sorge: Die SPD wird Vertragstreue über verfassungsgemäße Wahlen stellen.
Manch einer befürchtet, dass dieser, sagen wir mal, Ergebnis orientierte Umgang mit Gesetzesvorlagen in puncto Wahlrecht das Vertrauen in die Demokratie schwächen könnte. Iwo, durch solche Lappalien lässt sich der politisch mündige Bürger doch nicht beeinflussen – es bestätigt ihn vielmehr in seiner Haltung, der Haltung, dass unsere Karrierepolitiker in etwa so vertrauenswürdig sind wie der Hütchenspieler auf der Reeperbahn.

Oliver

Mordsmondhelm

Samstag, 27. Juni 2009

Welche Geschichte beginnt folgendermaßen? Die Hochzeitsgesellschaft wartet unruhig auf den jungen Bräutigam. Dieser hatte sich aufgrund seiner schwächlichen Natur für einige Zeit zurückgezogen. Die Dienerschaft sucht ihn, findet ihn und ruft aus: “Der Helm! Der Helm!” Wie bei einer Kamerafahrt wird der Fokus des Lesers auf den toten Bräutigam gelenkt. Man sieht einen gewaltigen Helm, der vom Mond auf den Jüngling gefallen war und ihn erschlagen hatte – nur noch ein Arm ragt unter dem Helm hervor.

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Die Wirklichkeit ist der Schatten des Wortes

Samstag, 20. Juni 2009

In so einer Nacht ist es ein Ding der Unmöglichkeit, beim Gang durch die Wall-Straße oder eine beliebige andere dunkle Straße, die auf der Rückseite gewissermaßen das Unterfutter der vier Geraden des Marktplatzes bilden, nicht einmal daran zu denken, dass zu dieser späten Stunde manchmal noch einige der sonderbaren und so verlockenden Läden geöffnet haben, die man tagsüber gewöhnlich vergisst. Ich nenne sie die Zimtläden, wegen der dunklen Farbe ihrer Holzvertäfelungen.

Zwei Sätze aus Bruno Schulz‘ Kurzgeschichtensammlung bzw. Episodenroman Die Zimtläden. Bruno Schulz war ein galizischer Jude, der zu den besten und bekanntesten polnischen Autoren gehört. 1942 wurde er auf offener Straße von einem Gestapomann erschossen.

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Von der Regierung verraten

Donnerstag, 18. Juni 2009

Was sich großspurig “Gesetzesvorhaben zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Seiten” nennt, ist nichts weiter als das Schaffen von Zensurmöglichkeiten für das Internet. Zwar ist davon auszugehen, dass das Bundesverfassungsgericht diesen Angriff auf die Freiheit abwehren wird, aber bedenklich ist dieser Verrat der Regierung schon.
Diese Polemik mag emotional und übertrieben wirken, aber wir befinden uns ja im Superwahljahr 2009 und die Parteien sind auf der Suche nach Wählern.
Nachdem Steuermilliarden in marode Unternehmen gepumpt wurden, die zum Großteil selbstverschuldete Finanzkrise mit Schulden in die Zukunft gerettet und ein Mann zum Kanzlerkandidaten gewählt wird, der einen Deutschen in Guantanamo versauern ließ und nun gegen die Aufnahme von entlassenen Opfern ist, jetzt also auch noch Zensur aus Dummheit.

Aber vielleicht ist es ja keine Dummheit, sondern Existenzkampf. Vielleicht bekommen ja ein paar Leute es langsam mit der Angst zu tun? Immerhin kommt auch bei den verbunkersten Politikern langsam an, dass Nichtwähler nicht etwa keine Lust zum Wählen haben oder tumbes Prekariat sind, sondern mit Absicht eine Wahl verweigern, wo es gar keine Wahl mehr gibt.
Längst ist doch das Parteikürzel egal: Was zu tun ist, bestimmt noch immer die Wirtschaft. Sachzwänge nennt man das dann.
In den letzten Jahren nimmt diese Profillosigkeit der Parteien immer mehr zu. Es ist wie in der alten Adolar-Folge. Der Räuber wird zum Polizisten und umgekehrt, je nachdem wer gerade dran ist.
Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Wahlverweigerung ist nur der Anfang. Und auch wenn das Volk über das Grundgesetz nie abstimmen durfte, so wird es doch für die Grundrechte und die Republik eintreten. Gewaltenteilung gehört dazu. So wie das BKA nicht per Freibrief darüber entscheiden darf, Bücher zu verbieten, so darf dies auch nicht für Internetseiten gelten. Wer weiß schon, ob das BKA nicht morgen Fantasy für verbrecherisch hält? Oder SF?
Ja, Herr Schäuble, ich mag Ihre Paranoia nicht, ich mag auch Ihre Datensammelleidenschaft nicht. Ich komme aus einem deutschen Staat, der seinen Bürgern nicht vertraute und ich verrate Ihnen nichts Neues: Dieser Staat existiert nicht mehr.

Machen Sie hier bloß nicht den Dekonstruktionisten, Sie Wichser!

Montag, 15. Juni 2009

Schöner Satz, oder? Mir gefällt die Kombination von “Dekonstruktionist”, dem förmlichen “Sie” und “Wichser”. Der Satz stammt aus Russell Hobans Roman Die Medusenfrequenz (engl.: The Medusa Frequenzy, 1987), den ich gerade ausgelesen habe. Eine ziemlich seltsame Lektüre.

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Die Hörspiel 2009

Sonntag, 14. Juni 2009
Merlauch bedankt sich bei Kalkofe

Merlau bedankt sich bei Kalkofe. Um gut Hören zu können braucht man kein Licht - die Lichtverhältnisse waren für meine Kamera so suboptimal, dass die zu Fotografierenden oftmals schon weggegangen waren, bevor das Bild endlich geschossen wurde.

Gestern war das zweite Mal die Hörspiel – Deutschlands Hörspielmesse – in Hamburg, genauer gesagt im Hühnerposten. Und weil ich gestern da war, gab’s auch keinen Samstagblog. Gleichwie. Es war wieder sehr unterhaltsam und sehr informativ: Einer der Unterhaltungs-Höhepunkte war wohl das vom Vollplaybacktheater veranstaltete Spiel “Montagsmaler from Hell”, in dem Oliver Kalkofe, Hennes Bender und Janet Sunjic gegen drei Publikumskandiaten (deren Namen ich peinlicherweise vergessen habe) antraten um John-Sinclair-Begriffe zu raten und einer Info-Höhepunkte der Talk zwischen Esther-Maria Roos (WDR mediengroup) und Sven Stricker (Regisseur des mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichneten “Herr Lehmann”), bei dem es unter anderem um die Möglichkeiten der verschiedenen Handlungsebenen ging. Aber es wurde noch viel, viel mehr geboten. Was, das wird demnächst im entsprechenden Bericht auf dem FantasyGuide zu lesen sein, der voraussichtlich von Ralf (aka lapismont), der mit seiner Familie die 3-Stunden Fahrt von Berlin nach Hamburg auf sich nahm, geschrieben wird. Vielleicht gibt’s dann auch noch ein paar Worte von mir dazu.

Oliver

Allerlei

Freitag, 12. Juni 2009

Nun, ein Allerlei bezeichnet man allerseits als Kolumne. Meine letzte Kolumnenserie Der neue Stern war damals die erste ihrer Art auf dem Fantasyguide.

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Die Zeitschrift Kurzgeschichten

Freitag, 12. Juni 2009

…bietet einen sehr gemischten Lesestoff. Gedichte, lustige Geschichten, Phantastik, Trauriges sowie Lustiges. Wer also gern eine solch bunte Mischung mag, es gibt die Jahresausgaben für 20 Euro(+Porto) bzw. alle Ausgaben für 70 Euro (+ Porto).

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Der arme Mann

Freitag, 12. Juni 2009

 „Der arme Mann“ entstand im November 2001 und war die erste einer Reihe humorvoller Geschichten, die sich um den ewigen Konflikt zwischen Gut und Böse…nein, natürlich um den Konflikt zwischen Mann und Frau drehen. Es gibt ein Selbstplagiat namens „Der unrasierte Mann“, erschienen in Kurzgeschichten 03/2007, desweiteren „Die richtige Entscheidung“ (Kurzgeschichten 07/2005) und Paul (Aus dem Alltag gesprengt), eine eher sarkastischen als humorvollen Geschichte, welche die Brücke zu „Reflexion des Seins“ (Kurzgeschichten 08/2005) bildet und sich mit der Börsenblase des Neuen Markt beschäftigt.

Aber „Der arme Mann“ ist ebenfalls eine sarkastische Geschichte und sollte von all denen gemieden werden, die nicht über sich selbst lachen können.

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Geldadel

Dienstag, 9. Juni 2009

Über die Finanzkrise ist viel geschrieben worden. Wenn der Beitrag über Wells Fargo allerdings stimmt, und er stellt das Geschehen sehr plakativ da, würde das nur meine Vorurteile bestätigen.

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