Fernsehen ist Moppelkotze

Marcel Reich-Ranicki hatte vorletztes Jahr den Deutschen Fernsehpreis abgelehnt: “Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.” Nämlich sich den ganzen Preis-Müll anzuschauen, den: “Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben.”
Oliver Kalkofe äußerte sich in einem Interview ganz ähnlich – es sei sehr bedauerlich, wie negativ sich die Programme entwickelt hätten; wer könne, würde sich sein Programm (via DVD etc.) selbst gestalten. So ziemlich alle Menschen, die ich kenne, haben Reich-Ranicki und Kalkofe im Kern recht gegeben: Es wird irrsinnig viel Schund gezeigt, und wenn mal was Gutes kommt, dann nur mit einstündiger Werbeunterbrechung (auf 100 min Film). Die Einzigen, die das fundamental anders sehen, sind Reich-Ranicki-Hasser, die alles schlecht finden, was er sagt.

Nun zu etwas (scheinbar) anderem: meinem Lieblingssamurai-Film (im weiteren Sinne des Wortes) – “Der Tod eines Teemeisters” (Japan 1989). Darin geht es um den Teemeister Sen no Rikyu, der in den Selbstmord getrieben worden war, weil er die Teezeremonie als einen ethischen Akt auffasste, was der damalige Shogun anders sah. Der Film reflektiert die Macht von Symbolen und den Wert moralischen Handelns – Rikyu hatte keinen Aufstand, Mord oder politische Brandreden geplant, er hat sich einfach von der unmoralischen Politik des Shogun ferngehalten – dieser passive Widerstand reichte aus, um Nachahmer/Anhänger zu motivieren und schließlich das System in Bedrängnis zu bringen. Meines Erachtens ein großartiger Film.

Warum das nur etwas scheinbar anderes ist? Weil man diesen Film weder auf DVD, noch auf VHS, weder in Deutschland, noch im Ausland (nicht einmal Japan) erhält. Wer diesen Film sehen will, muss warten, bis ein deutscher Sender ihn wieder einmal ins Programm nimmt.
Manchmal ist Fernsehen eben keineswegs Moppelkotze.

Oliver

Schlagworte:

1 Kommentar zu „Fernsehen ist Moppelkotze“

  1. mammut sagt:

    Fernsehen ist zum groessten Teil eigentlich ueberfluessig. Ich merke immer, mir fehlt nichts, wenn kein Fernseher da ist. Mit Ausnahme mancher Sportuebertragung natuerlich.
    Wenn man aber im Alltagstrott ist, gewoehnt man sich schnell daran, sich ueber die Glotze zu unterhalten. Das ist aber die eigene Wahl.
    Leider kommen die guten Sendungen aber nicht gerade dann, wenn man es wuenscht (bzw. das passende).
    MRR ist auch so eine ueberfluessige Institution. Wuerde ich ohne Glotze nicht kennen.
    Das Problem an der ganzen Mopplekotze: Wozu meckern, man kann es doch auslassen.

Kommentieren