Ich bin diese Woche im Kino gewesen und habe den neuen Sherlock Holmes gesehen. Für den Uneingeweihten: Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) und sein sonst so treuer Gehilfe Dr. Watson (Jude Law) haben den verbrecherischen Satanisten Lord Blackwood (Mark Strong) zur Strecke gebracht. Er hatte fünf Frauen für seine okkulten Rituale ermordet. Blackwood ruft kurz vor dem Termin beim Henker Holmes zu sich und gibt rätselhafte Anspielungen von sich – besondere Angst vor der Hinrichtung scheint er nicht zu haben. Kurz darauf wird er gehenkt und Watson bescheinigt den Tod des Gerichteten. Unterdessen macht Holmes sich das Leben schwer, denn Watson zieht aus und nicht nur das, er heiratet auch noch. Holmes lässt sich noch mehr als üblich gehen. Abwechslung bringt die verehrte Irene Adler (Rachel McAdams), die einen Auftrag für Holmes hat: Er soll Mr. Reordan finden. Während Holmes noch versucht Watson zur Mitarbeit zu überreden, trudelt eine ungewöhnliche Nachricht ein: Lord Blackwood ist von den Toten auferstanden – seine Gruft von innen aufgebrochen, der Friedhofswächter sah ihn selbst aus dem Grab steigen. Im Sarg findet sich statt Lord Blackwood der gesuchte Reordan. Ein höchst gefährlicher Fall erwartet Holmes!
Lohnt sich der Film anzuschauen?
Ich finde schon. Sicher, Guy Ritchie hat schon bessere Filme gemacht, aber mich hat der Film gut unterhalten. Als wichtigste Stärke will ich Kulisse & Kostüme nennen. Der Film ist halt ein (im weiteren Sinne) historischer Action-Thriller und mich hat die Optik in dieser Hinsicht überzeugt. Alles ist angemessen schmuddelig und düster – ein schönes Ambiente. Die Schauspieler passen gut dazu. Downey jr. sieht angemessen fertig aus, McAdams ist keine glatte Modeschönheit, aber trotzdem apart, Strong ist hübsch finster. Das Spiel ist jeweils gut, ohne allerdings herausragend zu sein. Nett finde ich, dass die körperlichen Seiten von Holmes stärker betont werden – in der Vergangenheit haben Filme Holmes ja gerne als reinen Geistesmenschen dargestellt, der er in den Romanen gar nicht ist: Holmes ist ein erstklassiger Boxer und hier wird dieser Umstand mit derben Prügelszenen gewürdigt. Diese Holmes-Interpretation ist nicht ganz der Doylesche Holmes, weicht (glücklicherweise) noch weiter von den früheren Film-Holmesen ab, hat mir im Großen und Ganzen durchaus gefallen, ohne allerdings mein Lieblingsholmes zu werden (das ist und bleibt vorerst Rupert Everetts herrlich dekadent-melancholischer Holmes in “Der Seidenstrumpfmörder” von 2004). Jude Law und seinen Watson habe ich mir bis zuletzt aufgehoben. Law spielt sehr gut und die Interpretation gefällt mir sehr – meines Erachtens der bisher interessanteste Watson. Ich finde, er hätte ein bisschen mehr Spielzeit haben können.
Der Plot ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es mal was anderes, wenn Holmes sich herumprügelt, geschossen, geflüchtet und sonst wie geturnt wird, doch andererseits gibt ein paar holperige Stellen, an denen man sich fragen kann, was das soll – was, z. B., ist Sinn und Zweck von Holmes Ritual, außer einem Witz? Da gibt es ein paar mehr Stellen, deren Plotmotivation ich nicht sehen kann. Holmes Folgerungen finde ich mittelprächtig; beeindruckt hat mich allerdings eine der Szenen, in der Holmes überlegt, wie sein Gegner auszuschalten ist – die zweite fand ich dann allerdings zu viel. (Genau genommen finde ich, man hätte gut auf die erste verzichten können.)
Der Soundtrack (von Hans Zimmer) hat mir ebenfalls sehr gut gefallen; Zimmer wiederholt den Kernduktus gerne, sodass er bisweilen etwas langweilig klingt (man mag mal “Gladiator” und “Fluch der Karibik” vergleichen), doch hier ist mir nichts aufgefallen.
Also, ein flotter Action-Film, der gut unterhält – wenn man kein Holmes-Fundamentalist ist, sich nicht an den Plot-Seltsamkeiten aufhält, dafür aber ein historisches Ambiente mag.
Oliver
Ach ja, der Titel – “Kopfnuss, Holmes!” ruft Watson Holmes bei einer der Keilereien zu, als es opportun ist, dem Gegner eine Kopfnuss zu verpassen.
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